Die Weinrebe
Die Weinrebe gehört zur Pflanzengattung Vitis innerhalb der Familie der Lianengewächse namens Vitaceae. Diese Form der Schlingpflanzen ist deutlich älter als die Spezies Mensch. Sie unterteilt sich in rund 70 unterschiedliche Gattungen, von denen die überwiegende Zahl in Nordamerika (z. B. Vitis labrusca, , Vitis riparia) und Asien (z .B. Vitis amurensis) vorkommt. Die meisten unterschiedlichen Rebsorten jedoch stammen von einer europäischen Spezies ab, die man als Vitis vinifera bezeichnet, was so viel wie weintragende Rebe bedeutet. Dabei auch die Vitis vinifera noch einmal unterteilt in Vitis vinfera vinifera und in Vitis vinifera sylvestris. Das zu erwähnen ist deshalb wichtig, weil die erste Gruppe, die der Vitis vinifera, diejenigen Kulturpflanzen umfasst, die Hermaphroditen sind. Die Gruppe Vitis sylvestris umfasst diejenigen Wildreben, die entweder männlich oder weiblich sind und sich somit viel schwieriger kultivieren lassen.
Man geht heute davon aus, dass sich aus der Spezies im Laufe der Jahrtausende teils durch natürliche Mutation, teils durch gezielte Kreuzung und Züchtung rund 8’000 bis 10’000 unterschiedliche Sorten entwickelt haben. Der VIVC, der offizielle Vitis International Variety Catalogue, umfasst sogar 18'000 Rebsorten, wobei man aber von vielen doppelten Nennungen ausgehen kann, da es bei vielen Sorten sehr schwierig ist, ihre Identität zu erkennen. Abgesehen davon sterben auch Rebsorten aus. Von diesen so vielen unterschiedlichen Rebsorten wird heute nur ein Bruchteil kommerziell genutzt. Und um diese Rebsorten soll es hier vor allem gehen.
Auch wenn es vom Kaukasus bis in die Türkei deutlich mehr Rebsorten gibt als in Mittel- und Südeuropa, so sind es doch vor allem Rebsorten aus Frankreich, Spanien und Italien, welche die Gruppe der Cépages nobles, der hoch angesehenen Kultursorten, bilden. Diese gehen auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Leitrebsorten zurück, welche die Basis des gesamten europäischen Weinbaus bilden. Die wichtigste Sorte ist dabei der Gouais blanc, zu Deutsch der Weisse Heunisch. Diese Sorte, die für sich genommen keine komplexen Weine erzeugt und kaum noch zu finden ist, ist ein Elternteil von mehr als 100 europäischen Rebsorten wie Riesling, Chardonnay, Silvaner oder Xinomavro. Ähnliche Spuren hat der Savagnin blanc, der Traminer, hinterlassen, der allerdings auch als eigenständige Sorte eine Rolle spielt. Kinder des Savagnin sind beispielsweise der Chenin blanc, der Sauvignon blanc oder auch der Pinot noir. Der wiederum ist selbst sehr mutationsfreudig. Aus ihm haben sich viele andere Rebsorten wie Pinot blanc, Pinot gris, Frühburgunder oder Samtrot ohne andere Elternteile entwickelt. Vor allem mit Gouais blanc aber ist der Pinot noir beteiligt an einer Vielzahl von Rebsorten wie Aligoté, Chardonnay, Gamay oder Romorantin. Zu weiteren Leitrebsorten gehören Cabernet Franc, Cayetana blanca, Chasselas, Rèze, Garganega, Listán Prieto, Luglienga Bianca, Muscat, Nebbiolo, Teroldego und Tribidrag (Primitivo, Zinfandel). Der Schweizer Ampelograph José Vouillamoz fasst die europäischen Rebsorten in 13 Gruppen zusammen.