Die verschiedenen Pinot Noir-Klone
Brodbeck Weinbau setzt die folgenden Klone ein.
- 420 Stöcke Mariafeld Klon M903 (Meier).
- 165 Stöcke 21.07 (Auer)
- 30 Pinot Entav 777 (französischer Burgunder Klon für höchste Qualität)
Der Pinot noir oder Blauburgunder ist die wichtigste Rotweinsorte der Schweiz. Die Heimat dieser edlen Rebsorte ist das Burgund. Der Name Pinot, abgeleitet vom Französischen «pin» = Fichte bzw. Fichtenzapfen, weist auf seine klassische Traubenform hin. Der Blauburgunder zeigt, wie auch andere Burgundersorten, in seinen Eigenschaften eine grosse Variabilität, was sich auch an der Vielzahl zur Verfügung stehender Klone zeigt. Jedes Weinbaugebiet hat bestimmte auf sein Klima und seine Böden zugeschnittene Klone. Die Sorte stellt hohe Ansprüche an die Vinifikation. Im Anbau bereitet der Pinot noir keine grösseren Probleme. Ein Anbau in geringen Lagen ist jedoch nicht empfehlenswert, da die Qualität hinsichtlich Mostgewicht und Farbtiefe leidet. Ebenso bleibt in schlechten Lagen die Säure unharmonisch hoch. Fruchtbarkeit und Fäulnisanfälligkeit sind je nach Klon verschieden.
Klon 2/45 FAW1
Der Standardklon der Forschungsanstalt Wädenswil hat in der Schweiz das grösste Verbreitungsgebiet. Die kleinen, oft geschulterten Trauben weisen eine relativ geringe Botrytisanfälligkeit auf, was im Vergleich mit den Burgunderklonen unter anderem auf den späteren Reifezeitpunkt zurückgeführt werden kann. Der Klon ist ertragreich. Er neigt in schwächeren Jahren oder bei zu hohem Ertrag aber zur Bildung von etwas dünnen, farbarmen Weinen. Er gehört in gute Lagen. Zur Zertifizierung gelangte die Nachselektion 2/45/3 FAW1.
Klon RMW* 10/5-5 (Rebschule Meier)
Der zertifizierte Klon RMW 10/5-5 ist ebenfalls ein traditioneller Standardklon mit kompakteren Trauben als der Klon 2/45. Die Fäulnisanfälligkeit ist etwas höher als beim Klon 2/45, jedoch niedriger als in der Vorgängergeneration (Klon RMW 10/5). Die Zucker-gehalte sind leicht höher, bei mittlerer Säure, gutem Ertragspotential und etwas dunklerer Farbe. Der Klon RMW 10/5-5 ist geeignet für trockene und etwas höher gelegene Stand-orte. Die erste Generation, den Klon RMW 10, hatte der Rebschulgründer Albert Meier im Jahre 1929 ausgelesen.
Mariafeld-Klone
Die Mariafeld-Klone bilden eine Gruppe für sich. Sie weisen dank ihrem lockeren Traubengerüst eine gute Botrytisresistenz auf. Früher auch Grossclevner genannt, handelt es sich um eine Mutation des Blauburgunders, die vor über sechzig Jahren im Rebgut Mariafeld des Generals Wille in Feldmeilen gefunden wurde. Seither wurden von den Rebschulen und der Forschungsanstalt Wädenswil verschiedene blühfeste und virusfreie Nachselektionen vermehrt. Die Mariafeld-Klone sind stärker wüchsig als die anderen Blauburgunderklone, sie bringen gute Öchslegrade, der Reifeindex hingegen ist wegen der erhöhten Säure und des tiefen pH-Wertes oft niedriger.
M 1/17 ist der am häufigsten angebaute Mariafeld-Klon. Er stammt aus der Forschungsanstalt Wädenswil. Auf der Unterlage 3309 kann er nicht veredelt werden (Holzrunzeligkeit). Als Alternative zu diesem Klon stehen die beiden zertifizierten Klone RMW M 891 und RMW M 903 zur Verfügung. Sie wurden in den 80er Jahren von der Rebschule Meier selektioniert. M 891 hat einen kräftigen Wuchs und ist äusserst fruchtbar. Beim Klon M 903 handelt es sich um einen Qualitätsklon mit hohen Mostgewichten. Die Triebe wachsen erfreulich senkrecht.
M 903 (Rebschule A. Meier), lockerbeerig bis mittelkompakt, mittlere bis gute Blühfestigkeit, etwas mehr Verrieselung bei
ungünstigen Blühbedingungen, hohes Ertragspotential, Ertragsregulierung notwendig, wenig fäulnisanfällig, spätere Reife, hoher Zuckergehalt, höhere Säurewerte. Geeignet für späte Lesen. In Stiellähmejahren etwas mehr Befall als der Standard. Im Wein höhere Farbintensität und etwas höhere Gesamtphenolwerte.
A 21.07 (Rebschule M. Auer) lockerbeerig, mittlere bis gute Blühfestigkeit, etwas mehr Verrieselung bei ungünstigen
Blühbedingungen, hohes Ertragspotential, Ertragsregulierung notwendig, kaum fäulnisanfällig, spätere Reife, hoher Zuckergehalt, höhere Säurewerte. Geeignet für sehr späte Lesen, da die Trauben gesund bleiben und die Beeren nicht so stark eintrocknen. In Stiellähmejahren etwas mehr Befall als der Standard. Im Wein höhere Farbintensität und etwas höhere Gesamtphenolwerte.
Burgunder-Klone
Augenfällig bei den meist aus dem Burgund stammenden, kleinbeerigen Klonen ist der frühe Reifezyklus. So beginnt der Farbumschlag oft schon eine Woche früher als bei den übrigen Blauburgunderklonen. Es lassen sich höchstens mittlere Erträge erwarten, wodurch aber das Menge-Güte-Verhältnis positiv beeinflusst wird. Die Säurewerte sind deutlich tiefer, was bedeutet, dass ab einem gewissen Reifegrad keine Säure mehr in Zucker umgewandelt werden kann. Somit liegen die Öchslegrade in guten Jahren im Mittel unter denjenigen anderer Klone, in schlechteren Jahren jedoch bedeutend höher. Die Burgunderklone sind in etwas höheren Lagen zu empfehlen, wo sie auch in mittleren Jahren noch die Vollreife erreichen. Die Trauben sind dicht und deshalb fäulnisanfällig. Der Klon 115 ist der im Burgund meistangebaute Klon und bei uns derjenige unter ihnen, der dem Wein die meiste Farbe verleiht. Er ist konstant sowohl im Ertrag als auch in der Qualität. Als weitere Qualitätsklone aus dem Burgund gelten die Klone 111, 667, 777, 828 und 943. Mit dem Klon RMW «Classic» haben wir neu einen Klon zertifiziert, dessen Charakteristik zwischen den Burgunderklonen und dem Cortaillod 9-18 liegt.
Pinot Entav 777 (Frankreich). Dies ist eine Selektion aus dem 115. Klon aus dem Burgund, welcher 1779 zugelassen wurde und von Professor Raymond Bernard an der Uni in Dijon entdeckt wurde. Bernard arbeitete auch für die ONIVINS Research Station. Der Entav 777er Klon ist wie der 115er ein alter Burgunder-Klon von Bernard aus dem Jahre 1981 aus Dijon, Frankreich (Cote d'Or) mit sehr hoher Qualität. Er ist etwas lockerer als der 115er, wobei die Weinbeurteilungen diesem nicht nachstehen. Aufgrund seiner frühen Reife, sehr hoher Mostgewichte und der sehr guten Weinbeurteilungen wird er vorwiegend zur Herstellung von qualitativ sehr hochwertigen Rotweinen, oft auch mit Barriqueausbau, verwendet. Das Ertragspotential liegt deutlich unter den Standardklonen, bei maximal 70hl pro Ha. Wegen der Engerbeerigen Eigenschaften gelten die Burgunderklone als anfälliger gegen Botrytis. In der neuen Welt werden diese Klone auch "Bernard Clones" genannt. Die Robert Mondavi Winery setzt in erster Linie den 777er Klon ein.
Eigenschaften der Klone (Quelle: www.inforama.ch)
Eigenschaft | Beschreibung |
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Farbe | Eine hohe Farbintensität konnte bei den lockerbeerigen M 1/17, FR 1801, A.21.07, M 903 sowie bei Gm 20-13, FAW 2/45 und P 943 gemessen werden. |
Ertrag | In Stäfa erzielten RMW 89-3, FAW 2/45 sowie die beiden lockerbeerigen A.21.07 und M 903 die höchsten Erträge. |
Zucker/Oechsle | Die lockerbeerigen FR 1801, A. 21.07, A. 15.22, M 903, M1/17 sowie der Burgunderklon P 943 belegen regelmässig die Spitzplätze |
Botrytisanfälligkeit | Die lockerberigen A. 21.07, A.15.22, M 1/17, M 903, FR 1801 und Gm 1-6 sowie Gm 20-13 und P 943 zeigten sich auch in schwierigen Jahren als sehr botrytisfest. |
Stillähme | Die Resultate bestätigen frühere Auswertungen, die eine leicht höhere Anfälligkeit der lockerbeerigen Klone A. 21.07, M 1/17 und M 903 zeigten. |
Fazit | An allen drei Standorten überzeugten in erster Linie die lockerbeerigen Typen wie A. 21.07, A. 15.22, M 903, FR 1801, Gm 1-6 sowie von den mittelkompakten Klonen FAW 2-45 und RMW 10/5-5. |